Meine Klassiker
Ich werde immer wieder auf Texte angesprochen, die vor Jahren erschienen sind – eine kleine Auswahl, die sich gelegentlich ändert.
Als Kontrast zu den Texten, die zeigen wie schön es am Bodensee ist, stehen hier hin und wieder auch „böse Texte“, z.B. der über das „Kartoffelessen“ in einer Sektion des Deutschen Alpenvereins ...
Die vollständigen Texte können Sie gerne bei mir anfordern
– ich verschicke sie als PDF-Datei oder per Fax.

Vor 20 Jahren ist (als Nebenprodukt einer kulturellen Pressereise) in der Taz ein Artikel über die Kehrseite des Tourismus erschienen: über das Verhalten von Touristen gegenüber Einheimischen am Beispiel von Marokko.
Dich hatte gerade eine Broschüre über den Berg- und Trekkingtourismus bekommen, den das Land damals als Projekt des „sanften Tourismus“ aufbauen wollte – und durfte miterleben, wie eine kleine Gruppe von Deutschen sich wirklich beispielhaft danebenbenahm:
„Die haben doch genug Esel hier. Begegnungen deutscher Touristen mit Einheimischen in Marokko – kontrastiert mit Empfehlungen des marokkanischen Tourismus-Ministeriums für Bergtouristen“, die Tageszeitung, 15.12.1990
(Die deutschen Touristen waren übrigens Kollegen der Pressereise!)

1989 ist meine erste größere Reportage im „Reiseblatt“ der FAZ erschienen:
Handelswege für Maultiere und Wanderer.
Kleiner Grenzverkehr in den Cottischen Alpen
Der Wirt des ‚Albergo della Pace’ in Sambuco ist wie viele Bewohner der Valle Stura di Demonte südwestlich von Turin stolz darauf, in seinem Alltag vier Sprachen zu sprechen: Mit den einheimischen Gästen redet er im okzitanischen Dialekt, mit Händlern aus der Provinzhauptstadt Cúneo Piemontesisch, mit Vertretern staatlicher Institutionen, wenn sie aus anderen Regionen stammen Italienisch. Und mit den Wanderern des Weitwanderwegs Grande Traversata delle Alpi (GTA), die meist aus Frankreich oder der Bundesrepublik kommen und den Albergo als Etappenunterkunft nutzen, unterhält er sich auf Französisch. Die Unterschiede zwischen diesen vier benachbarten romanischen Sprachen sind nicht groß, Piemontesisch gilt als Dialekt des Italienischen, aber für die Sprecher bedeutet es immer ein geistiges Umschalten, wenn sie von der einen zur anderen Sprache wechseln. Ihre Sprachenkenntnisse sind ein Indiz dafür, dass die Alpen schon immer eine Transitregion waren. Die Bewohner sind also nicht überall so hinterwäldlerisch, wie es ihnen nachgesagt wird. (...)
Der italienische Weitwanderweg GTA, der bei Sambuco die Valle Stura di Demonte quert, wurde, soweit das möglich war, auf alten Wegen angelegt, die früher dem Handel zwischen den Tälern oder aber der italienischen Armee gedient hatten. Die Wege, die in Wanderführern als „Militärstraßen“ bezeichnet werden, stammen größtenteils aus der Zeit Mussolinis. (...)
FAZ, 7.12.1989
Nach 25 Jahren Mitgliedschaft im Deutschen Alpenverein bekam ich beim Frühlingsfest 2009 ein silbernes Ehrenzeichen, das normalerweise beim "Kartoffelessen" an die männlichen Mitglieder verliehen wird.
Aus diesem Anlass ein Auszug aus einem älteren Artikel über diese wohl einmalige Traditionsveranstaltung:
Kartoffelessen.
Ein gemütlicher Herrenabend beim Deutschen Alpenverein
„Meine Herren, liebe Bergkameraden ...“ An diesem Abend erübrigt es sich für den Festredner, auch die Damen und Bergkameradinnen anzusprechen. In einer süddeutschen Provinzstadt in Sichtnähe der Alpen veranstaltet eine Sektion des Deutschen Alpenvereins ihren traditionellen gemütlichen Abend zur Ehrung der männlichen Jubilare. Unter der harmlosen Bezeichnung „Kartoffelessen“ steht das Ereignis im Sektionsprogramm, mit der Anmerkung „nur männliche Mitglieder!“
(...)
Das Ausschenken des von den Jubilaren spendierten Weißweins stellt sich als ein besonderes Ritual heraus. Seit einer Generation versieht der Bücherwart der Sektion seinen Dienst als „Kanonier“ an der „Weinkanone“, einer 14 Liter fassenden Flasche, die in einem Eisengestell so gelagert ist, dass sie aus ihrer senkrechten Normallage durch das Drehen einer Kurbel in die „Abschuss“-Position bewegt werden kann. De Befehl des Vorsitzenden, die erste Runde auszuschenken, ist unmissverständlich: „Rohr entlüftet, Feuer ...“ – und der ganze Saal antwortet: „FREI!“ Ebenso überwältigend ist jeweils der Dank an den großzügigen Spender: „Berg – HEIL!“ Wenn ich diesen „Bergsteigergruß“ nicht schon von manchen Gipfelbegegnungen mit solchen zünftigen Kraxlern gewohnt gewesen wäre, würde mir zumindest ein leiser Schauer über den Rücken laufen. „Und uns einen guten ... SCHLUCK!“ Prost!
(...)
Zu einem richtigen Herrenabend gehört offensichtlich auch, dass die Herrenwitze nicht nur an den Tischen erzählt werden. Kurz nach Mitternacht übernimmt ein älterer Vertreter der Schweizer Delegation diesen Programmpunkt. Was haben wir gelacht! Und wieder Weinkanone. Die Kellner beieilen sich mit ihren Krügen, die halbleeren Gläser aufzufüllen, damit die nächste „abgeschossen“ werden kann. Und wieder ein Lied zusammen. Unermüdlich hält die Musikkapelle durch bis lange nach Mitternacht. Zum Ausklang spielt sie nach dem obligatorischen „Kufsteinlied“ – ich wusste doch, dass ein Lied noch fehlt – „So ein Tag, so wunderschön ...“ Das war’s dann.
Am nächsten Tag zeigt sich, dass der Wein nicht mal so schlecht war. Schon bald kommt mir rückblickend der erste klare Gedanke, die Erkenntnis eines Satirikers: „Es gehört zum Wesen der Satire, dass sie von der Realität übertroffen wird.“
(die Tageszeitung, 20.1.1990)
Multikulturell durch die Stadt – Ein Stadtspaziergang (...)
Die Fahnenparade auf der alten Rheinbrücke symbolisiert mit den Flaggen von Ländern wie Frankreich, Italien, USA Israel, Türkei, und vielen anderen die Verbundenheit der Stadt mit diesen Ländern. Aber auch zuvor schon, auf der langen Einfahrtsstraße aus Richtung Allensbach, zeigen sich ganz unterschiedliche Elemente und Symbole ausländischer, aber uns heute nicht mehr fremder Kulturen: Bis zur neuen Rheinbrücke, wo der Transitverkehr in die Schweiz abbiegt, findet sich ein amerikanisches „Schnell-Essen“-Restaurant, ein türkisches Lebensmittelgeschäft, ein kleiner Eiffel-Turm vor einem Haus mit roten Lichtern und ein chinesisches Restaurant. Von weitem schon zu sehen ist die 2001 fertiggestellte Moschee ...
(Konstanz – Internationale Stadt, Presseamt, 2003)
Rastplatz Bodensee – Winterurlaub am Schwäbischen Meer
Große Scharen von Wasservögeln, weite Wanderwege mit Panoramablick auf See und Berge sowie regionale Spezialitäten machen den Bodensee zu einem reizvollen und mußevollen Reiseziel.
Glaubt man den Einheimischen, gibt es am Bodensee eigentlich nur zwei Jahreszeiten: die Schnakenzeit und die Nebelzeit. Im Winter zumindest ist man vor Schnaken sicher. Und der Nebel muss gleich aus drei Gründen niemanden schrecken:
Erstens liegt er nicht immer über dem Bodensee, weil es zuweilen auch regnet und stürmt und im Winter nicht selten die Sonne scheint.
Zweitens sind die Berge und Hügel so nah, dass man mit wenig Aufwand (und öffentlichen Verkehrsmitteln) dem Nebel nach oben hin entkommt.
Und drittens muss die Nebelstimmung am See nicht automatisch zu Depressionen führen, denn sie hat durchaus ihren Reiz.
Hält die Natur ihren "Winterschlaf", sind manche Details ganz anders und intensiver wahrnehmbar. Und in der Tierwelt geht es auch zur Winterzeit lebendig zu. ...
(BUND-Magazin Baden-Württemberg, 1/2003)
Fünf Köche und eine Schüssel.
Eine praktische Philosophie der Salatsauce
It takes two to tango – und Kochen ist zu zweit am schönsten. Aber für eine perfekte Salatsauce braucht es eigentlich fünf Personen, von denen jede eine bestimmte Rolle zu spielen hat. Zumindest theoretisch. (...) Einen Verschwender, der das Öl in die Schüssel gießt, ...
(akzent, 6/2004)